Warum ist Michael Beutler ein Künstler, den man sich ansehen sollte?

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Der 1976 in Oldenburg geborene Michael Beutler wurde durch seine umfangreichen bricolagen Installationen international bekannt. Er studierte an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main und an der Glasgow School of Art. Heute lebt und arbeitet er in Berlin.

Der Begriff Bricolage meint, dass der Künstler mit ihm zur Verfügung stehenden Materialien arbeitet, ohne speziell für seine Bedürfnisse entwickelte Materialien zu verwenden.

In seinen Arbeiten reagiert Michael Beutler vor allem auf die soziale und architektonische Struktur des jeweiligen Ausstellungsraumes. Der Raum fungiert dabei gleichzeitig als Produktionsstätte der Installation, wie auch als Ausstellungsraum derer.

Um die Bauelemente, die er für seine Installationen braucht, herzustellen, konstruiert er zunächst selbst seine eigenen Werkzeuge und Maschinen. Meist fertigt er diese aus Holz. Diese benutzt er dann, um industriell gefertigte Materialien wie Papier, Metall, Holz oder Plastik zu verarbeiten. Während seine Arbeiten Gestalt annehmen, bindet Beutler immer wieder weitere Teile in die Installation mit ein. Diesen Zustand der Ungewissheit und prozesshafter Entstehung fasst er als produktive Einzelteile in seiner Arbeit auf.

Beutler Installationen bevölkern und verwandeln den Ausstellungsraum. Für die Ausstellung „Moby Dick“ im Hamburger Bahnhof, Berlin,  nahm Beutler bestehende architektonische Elemente des Bahnhofs, wie die hervorstehenden Skelettkonstruktion aus Eisen, veränderte diese zu Konstruktionen, die letztendlich zu der Installation entwickelten. Diese Kompositionen vereinen eine doppelte Funktion, nämlich Architektur und Skulptur. Anders als die durch die Eisenbalken fest gebaute Halle und deren makellosen weißen Wände, wirken Beutlers Konstruktionen sehr offen. Sie machen den Anschein, als seien sie unfertig und unbestimmt. Er verwandelt den Ausstellungsort durch seine Konstruktion in einen Ort ständiger Produktion, sprich in eine Art Museums-Worshop oder eine Art riesiges Atelier. Im Laufe Der Ausstellung werden verschiedene Elemente in etlichen Konstruktionsphasen verändert oder erweitert. Bei der Eröffnung ist dabei nicht absehbar, wie sehr sich die Installation über die Zeit verändern wird. Wie der Künstler arbeitet, ist während der Ausstellung für jeden Besucher sichtbar. Das Sozialgefüge und der Prozess der Entscheidungsfindung, der sich zwischen Beutler und seinem Team abspielt, sind ein weiterer Teil der Installation. Durch all das gewinnt die Ausstellung einen Performance – Charakter.

Die Rolle des Prozesses selbst wird auch an den Geräten, die der Künstler benutzt und welche im ganzen Ausstellungsraum verteilt sind, deutlich. Die Werkzeuge, die Beutler selbst zumeist aus Holz herstellt, finden später im Gesamtwerk einen Platz. Sie bleiben entweder eigenständige Objekte im Raum oder werden Teile, die sich in größere Bauten einfügen.

Das Haus Beutler, das sich im hinteren Teil der Halle befindet, kann als eine Art walk-in Technik-Katalog verstanden werden. Durch die vielen Modelle, Arbeits- und Materialbeispiele, Zeichnungen und Videos, wie auch Teile früherer Installationen werden darin, genauso wie in Beutlers Arbeiten, die verschiedenen Phasen von Planen und Experimentieren deutlich. Dass die vielen Phasen der Entstehung eines Werkes im Werk selbst so deutlich erkennbar sind, macht Beutler zu einem herausragenden Künstler.